Kann bei ADHS Cannabis verschrieben werden und wird es von der Krankenkasse übernommen?

Frage: „Hi Maximilian, ich habe ADHS. Wie sieht es da aus wegen Cannabis? Kann mir der Arzt das verschreiben bzw. kann mir das bezahlt werden ?!“

Antwort: Ich werde die Frage mal zerlegen um genaue Antworten zu jedem Aspekt geben zu können.

Darf Cannabis nur bei bestimmten Erkrankungen wie z.B. Schmerzen verschrieben werden?

Nein, es gibt keine Positivliste mit Diagnosen, bei denen der Einsatz von Cannabis explizit erlaubt sind. Hier gilt der Grundsatz: Cannabis ist ein normales Medikament wie andere auch.

Anders herum gefragt: Für welche Indikationen sind Cannabisblüten zugelassen?

Für keine. Abgesehen von Sativex und Canemes bei jeweils einer Indikation gibt es aktuell keine Zulassungen von Cannabismedikamenten in Deutschland. Damit ist jeder Einsatz von Sativex und Canemes „Off Label“ (Über die Zulassung hinausgehend) und der Einsatz aller anderen Medikamente sogar „No Label“ (Weil keine Zulassung besteht). Der „Off Label“ Einsatz von Medikamenten ist bei einigen Fachärzten und Erkrankungen sogar die Regel. Hier wurde das Medikament immerhin für die Zulassung bzgl. Risiken und Nebenwirkungen untersucht. Der „No Label“ Einsatz eines Medikamentes das weder in Deutschland noch ggf. sonst wo auf der Welt eine Zulassung hat ist noch etwas heikler.

Zum Weiterlesen: Behandlung mit Medikamenten ohne und außerhalb der Zulassung – Was ist erlaubt?

Es liegt in der Verantwortung des Arztes einen individuellen Heilversuch durchzuführen oder eben auch nicht, wenn er den Einsatz nicht mit gutem Gewissen befürworten kann.

Wird Cannabis zur Behandlung von ADHS in Deutschland praktisch eingesetzt?

Ja, ADHS ist sogar eine der häufigsten Diagnosen unter den Inhabern einer Erlaubnis zum Erwerb von Cannabisblüten aus der Apotheke.

Darf ein Arzt Cannabisblüten „ohne weiteres“ auf Privatrezept verschreiben?

Hier die Antwort in einem anderen Artikel.

Wie gut sind die Chancen bei ADHS Cannabis verschrieben zu bekommen?

Da es praktisch keine Forschung dazu gibt und Psychiater meiner Erfahrung nach überdurchschnittlich skeptisch bei Cannabis als Medizin sind wird es nicht einfach. Eine Spezialistin für das Thema ist Frau Dr. Eva Milz. Sie hat aber aus Gründen „nur“ eine Privatpraxis.

Wie sieht es mit der Übername der Kosten durch die Krankenkasse aus?

Das kann man noch nicht sagen. Es  ist sicherlich nicht die einfachste Diagnose, aber aktuell liegen noch zu wenige Informationen vor welche Indikationen bei welchen Kassen wie erfolgreich sind. Ich persönlich habe eine Ablehnung erhalten, das hat mich wenig überrascht. Wie es nach dem Widerspruch und einer Klage vor dem Sozialgericht aussehen wird, wage ich nicht vorherzusagen. Es gibt andere ADHS Patienten mit Absagen aber auch mit Zusagen.

Wie es bei mir und den anderen Patienten weitergeht und wie man am Besten vorgehen sollte, genau dazu gibt es diesen Blog.

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