Austauschbarkeit verschiedener Medizinalcannabisblütensorten

Grundlage ist diese Einteilung von Cannabis in ein 3 x 3 Schema

„OK“ wenn die Sorten auf der Achse 2 gleich eingeteilt sind.
„Möglich“ bei einem Schritt Abweichung (z.B. ↑↑ zu ↑ oder ↑ zu ↔)
„Vorsicht“ bei 2 Schritten,
sonst „Risiko“.

AustauschbarkeitAlte Sorte
BakerstreetBedicaP18/1P20/1RedNo4OrangeNo1BedrobinolP14/1BedrocanP22/1RedNo2
Neue SorteBakerstreetOKOKOKOKOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKORISIKO
BedicaOKOKOKOKOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKORISIKO
Pedanios 18/1OKOKOKOKOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKORISIKO
Pedanios 20/1OKOKOKOKOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKORISIKO
Red No. 4OKOKOKOKOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKORISIKO
Orange No 1MöglichMöglichMöglichMöglichMöglichOKMöglichVorsichtRISIKORISIKORISIKO
BedrobinolVorsichtVorsichtVorsichtVorsichtVorsichtMöglichOKMöglichVorsichtVorsichtVorsicht
Pedanios 14/1RISIKORISIKORISIKORISIKORISIKOVorsichtMöglichOKMöglichOKOK
BedrocanRISIKORISIKORISIKORISIKORISIKORISIKOVorsichtMöglichOKOKOK
Pedanios 22/1RISIKORISIKORISIKORISIKORISIKORISIKOVorsichtOKOKOKOK
Red No. 2RISIKORISIKORISIKORISIKORISIKORISIKOVorsichtOKOKOKOK

 

AustauschbarkeitAlte Sorte
ArgyleGreenNo3BediolPenelopeBedrolite
Neue SorteArgyleOKOKMöglichVorsichtVorsicht
Green No3OKOKMöglichVorsichtVorsicht
BediolMöglichMöglichOKMöglichVorsicht
PenelopeVorsichtVorsichtMöglichOKRisiko
BedroliteMöglichMöglichMöglichMöglichOK

Arbeitshilfe: Einteilung von Cannabis in ein 3 x 3 Schema

Auf Grundlage des zur Verfügung stehenden Wissens lassen sich die zur Verfügung stehenden Sorten in folgendes Schema einteilen. Prozentangabe gibt den THC Gehalt bzw. THC und CBD Gehalt an.

Achse 1: THC oder THC & CBD oder CBD Sorten.

Achse 2: ↑ „Up“-Wirkung („Sativa“) über ↔ „Weder noch“-Wirkung („Hybrid“) bis zur ↓ „Down“-Wirkung („Indica“)

Blickwinkel ist die Frage der Austauschbarkeit von Sorten, also welche Sorte bei einer Versorgungslücke durch welche ersetzt werden könnte.

D.h. es geht darum – neben der Einteilung in Up und Down – um die Ähnlichkeit von Sorten zueinander. Es geht neben der damit verbundenen Wirksamkeit bei einer Diagnose auch im die Nebenwirkungen, d.h. wenn Patient x mit psych. Erkrankung y Sorte z nicht verträgt, dann sollte auch keine ähnlichen Sorten genutzt werden.

Über die Sorten, die nicht genannt wurden habe ich schlicht keinerlei Informationen, sachdienliche Hinweise gerne!

THC-reiche Sorten

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Teilnehmende gesucht für eine Befragung zum Thema: Medizinisches Cannabis

Im Rahmen eines Projekts des Gesundheitsdezernats der Stadt Frankfurt am Main möchte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Patientinnen und Patienten zu diesem Thema befragen.

Das Ziel der Befragung ist, etwas über die Erfahrungen und Probleme mit dem neuen Verschreibungsverfahren herausfinden.

· Werden Ihnen zur Zeit Cannabis-Arzneimittel ärztlich verschrieben?
· Ist Ihr Antrag auf eine Behandlung mit Cannabis-Arzneimittel abgelehnt worden?
· Sind Sie auf der Suche nach einem Arzt/einer Ärztin, der/die Ihnen Cannabis-Arzneimittel verschreibt?

Wenn Sie eine der Fragen mit ja beantworten können, würden wir uns über eine Teilnahme an der Befragung freuen. Bitte kontaktieren Sie uns per Mail:

med-can@zis-hamburg.de oder rufen Sie uns an unter 040 7410 – 54573.

Für die Teilnahme an einem Interview erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro.

Wenn Sie Personen kennen, die bereits Cannabisarzneimittel bekommen oder sich momentan darum bemühen, freuen wir uns, wenn Sie diese auf die Studie und die Befragung aufmerksam machen würden. Wir danken Ihnen!

Gesetzliche Neuerung bzgl. Cannabis als Medizin in Kraft getreten

Nachdem das Gesetz eigentlich schon im Juli in Kraft treten sollte, sich aber verzögert hatte, nun ist es soweit. Das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung wurde im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Auf Seite 1211 steht etwas kryptisch formuliert dass,

1. nach einer stationären Therapie müssen die Kassen wie bei der SAPV innerhalb von drei Tagen entscheiden. Die Regelung, dass hier gar kein Antrag mehr nötig ist, wurde leider gestrichen.

Wichtigert ist:

2. „Leistungen, die auf der Grundlage einer Verordnung einer Vertragsärztin oder eines Vertragsarztes zu erbringen sind, bei denen allein die Dosierung eines Arzneimittels nach Satz 1 angepasst wird oder die einen Wechsel zu anderen getrockneten Blüten oder zu anderen Extrakten in standardisierter Qualität anordnen, bedürfen keiner erneuten Genehmigung nach Satz 2.“

Damit ist ein Wechsel

1. der Dosierung
2. zwischen Blütensorten
3. zwischen Extrakten
ohne neuen Antrag möglich.

Nicht mehr und nicht weniger, ein Wechsel von Dronabinol und Bedrocan Blüten ist damit nicht automatisch möglich.

Deswegen sollten man bei der Antragsstellung weiterhin alle möglichen Medikamente nennen oder zumindest 1 x Blüte, 1 x Extrakt, 1 x Dronabinol

Siehe auch: PDF Seite 69

Das Wissen zu Cannabinoiden wächst rapide

Wir leben in Zeiten eines exponenziellen Wissenswachstums. Ein möglicher, sicherlich nicht der beste oder härteste Indikator ist die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen. Trotz aller Probleme im Wissenschaftsbetrieb, in der Ökonomie der Journals, Fehlanreize und Impact-Factor-Fetischismus, mangelnder Reproduzierbarkeit und Skandale, unsere Wissen wächst und dies immer schneller. Ermöglicht wird dies durch eine neue Stufe der globalen Vernetzung, der Entwicklung vom Internet zu einem omnipräsenten Internet der Dinge sowie gewaltige Rechenleistungen für wenig Geld on Demand. Diese Faktoren kulminiert mit gewaltigen Synergieeffekten in Smartphones als universelle Echtzeit Rechen-, Kommunikations- und Sensormaschinen (von vielen mit „künstlicher Intelligenz“ verwechselt oder als solche vermarktet). Dazu kommen immer bessere Methoden und dem allgemeine technische Fortschritt – alleine schon in der Analytik, also der Fähigkeit Ergebnisse messen zu können.

Gerade in den angewandten Wissenschaften wie der Medizin kann man sehen welcher Aufwand darin steckt aus einem Ansatz eine Therapie zu entwickeln. Der Weg von den Erkenntnisse aus dem Labor über erste experimentelle Therapieansätze bis hin zur Prüfung in klinische Studien ist weit. Das Ziel ist es am Ende eine Zulassung zu erhalten und alles dies geschieht  während auf der eine Seite Patienten bis dahin ohne Therapie sind und im Zweifelsfall versterben und auf der anderen Seite diverse fachfremde, kapitalistische und politische Faktoren den Rahmen vorgeben in denen Wissenschaft und Medizin betrieben werden kann.

Pubmed: In 10 Jahren soviele neue Artikel wie in der gesamten Zeit davor

In den letzten 10 Jahren erschienen soviele Artikel auf pubmed zum Stichwort Cannabinoid wie in der gesamten Zeit zuvor. Pubmed listet insgesamt 25388 Treffer. Von 2010 bis heute erschienen 12776 Artikel, was etwas mehr als 50% sind. Für das Jahr 2019 lässt sich hochrechnen dass dieses Jahr etwa 1900 neue Artikel erscheinen werden. Das sind mehr als im Jahr 2006 und 2007 zusammen erschienen sind.  Stellen wir uns ein Mediziner vor der seine Facharztausbildung heute frisch abgeschlossen hat. Als dieser mit seinem Studium begonnen hat, war die diese Hälfte des Wissens noch nicht vorhanden.

Suchergebnisse zum Stichwort "Cannabinoid" auf pubmed für die Jahr 1945 bis heute

Die Wiedereinführung von Cannabis in die Medizin ist ebenfalls noch ein frisches Phänomen. Hier noch zwei Jahreszahlen zur Verdeutlichung: Die Firma Bedrocan liefert seit 2004 erst legale Medizinalcannabisblüten. Im Jahr 2007 erteilte das BfArM die erste Ausnahmerlaubis für den Erwerbung von Cannabisblüten.

Ein weiteres Beispiel: Seit den zentralen Veröffentlichungen zur CRISPR/Cas-Methode im Jahr 2012 hat sich diese Methode innerhalb von wenigen Jahren zu einer „verhältnismäßig einfachen, preiswerten, leicht verfügbaren, punktgenauen und effizienten Technik.“ entwickelt. Hobbybiologen, die sich für Bill Gates halten praktizieren inzwischen in ihrer eigenen Garage DIY Biologie.

Meine Arbeit unterstützen

Ein Jahr ist vorbei und wieder einmal ist die Karmabilanz besser als der Kontostand. Zahllose Telefonate, Beratungsgespräche, Facebookanfragen, Medienauftritte als Patient etc. waren für die Sache sicherlich hilfreich, nur leider wenig lukrativ.

Mir mich würde das Geld ja reichen, aber wer mich kennt weiß dass zuhause auch noch Familie, 3 Kinder, Meerschweinchen und Hund warten. Mein Engagement kann ich mir nur leisten, wenn die Familie nicht (noch mehr) darunter leidet. Deswegen mache auch ich dieses Jahr einen Spendenaufruf – in eigener Sache. Vielen Dank.

IBAN DE10430609671125234200
paypal kontakt@max-plenert.de
Sachspenden an die übliche Adresse 😉

Das Cannabis-Medikament NABIXIMOLS „Sativex“

Dronabinol zusammen mit dem Cannabisextrakt-Wirkstoff Nabiximols, besser bekannt unter dem Markennamen „Sativex“ sind in Deutschland die auf häufigsten von Ärzten genutzten Cannabis-Medikamente. Es ist davon auszugehen dass ihre Nutzung weiterhin den Einsatz von Cannabisblüten übertreffen wird.

Sativex war da erste Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis, welches in Deutschland eine Zulassung erhielt. Die damit verbundene obligatorische Kostenerstattung hat Sativex Patienten mit einer therapierestistenten Spastik durch Multiple Sklerose verfügbar gemacht. Diese waren in der Vergangenheit die einzige Patientengruppe, die Sativex als reguläre Therapieoption hatten.

Sativex ist ein Cannabispflanzenextrakt und enthält etwa zu gleichen Teilen THC und CBD. Das Präparat wird als Spray über den Mund aufgenommen. Der Hersteller behauptet dass die Aufnahme über die Mundschleimhaut erfolgen würde und dies besser sei als bei einer oralen Aufnahme über den Magen. Soweit mir bekannt ist dies mehr Marketing als evidenzbasiert. So fasst auch Grotenhermen (siehe Quellen) Sativex mit anderen oral aufgenommen Cannabis-Medikamenten zusammen.

Übersicht zur Pharmakodynamik und Pharmadynamik nach Grotenhermen:

• langsamer Eintritt der Wirkung (nach 30-90 Minuten)
• Maximum der Wirkung nach 2-4 Stunden
• Bioverfügbarkeit: 4-12 %
• ausgeprägter First-Pass-Effekt in der Leber mit Bildung von viel 11-Hydroxy-THC
• Wirkung hält länger an (Maximum der Wirkung nach 2-4 Stunden)
• Maximale Plasmakonzentrationen: 1-15 ng/ml
• Variabler Zeitpunkt der maximalen THC-Konzentration
• Hohe Konzentration von 11-OH-THC (11-Hydroxy-THC)

Klinische Studien zu Sativex nach Grotenhermen

Multiple Sklerose

• Im Jahre 2011 wurde von Novotna und Mitarbeitern eine Studie zur Behandlung der Spastik bei MS publiziert, die in der Folge zur Zulassung von Sativex bei dieser Indikation in Deutschland und mehreren weiteren europäischen Ländern führte.
• Von 572 Patienten, die primär in die Studie eingeschlossen wurden, sprachen 272 Patienten (47,6%) während einer 4-wöchigen einfach-blinden Behandlung auf die Therapie an (=Reduktion der Spastik um >20%) und nahmen anschließend an einer 12-wöchigen, doppelblinden, Placebo kontrollierten zweiten Studienphase teil (enriched-design).
• Im Vergleich zu Placebo verbesserte der Cannabisextrakt Spastik, Spasmenhäufigkeit und Schlafqualität signifikant. (Novotna A, et al. Eur J Neurol 2011; 18(9): 1122-31.)

Schmerzen und Übelkeit

In einer 14-wöchigen Studie mit 246 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen erhielten 128 Teilnehmer Sativex und 118 ein Placebo. 34 Patienten (28 %) in der Sativex-Gruppe und 19 Patienten (16 %) in der Placebo-Gruppe erlebten eine Schmerzreduzierung um mehr als 30 %. (Serpell M, et al. Eur J Pain 2014;18:999-1012.)

Die jüngste Studie wurde 2010 mit dem Cannabisextrakt Sativex durchgeführt (Duran M, et al. Br J Clin Pharmacol 2010;70(5):656-663). 7 Patienten erhielten 4 Tage lang nach einem Chemotherapiezyklus Sativex (bis zu 48 Sprühstöße pro Tag) und 9 erhielten ein Placebo. Ein größerer Anteil von Patienten in der Cannabisgruppe wies keine Übelkeit (vollständiges Ansprechen) auf.

Es gibt eine Studie zum Einsatz von Sativex bei ADHS.

Fakten:

Aufnahme: Orale Einnahme wie bei Dronabinol (Olige oder alkoholische Lösung), CBD-Öl oder andere Extrakte aus Cannabisblüten

Sativex enthält 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD pro Sprühstoß.

Grundsätzlich können Ärzte aller Fachrichtungen Dronabinol (THC), den synthetischen THC-Abkömmling Nabilon und den Cannabisextrakt Sativex auch außerhalb der zugelassenen Indikationen (off-label) verordnen.

Laut WHO Review: Nabiximols (Sativex) was shown to have no effect on driving-related ability in some multiple sclerosis patients using the Vienna test system. The effect of on driving performance in a driving simulator or in an on-road test has not been assessed.

Quellen: Ärztefortbildung 2017 „Cannabis und Cannabinoide in der Medizin“, Franjo Grotenhermen, nova-Institut, Hürth, International Association for Cannabinoid Medicines (IACM), Rüthen Ärztliche Praxis, Rüthen

Die beliebtesten Cannabissorten gegen Schmerzen, Arthritis, Schlafstörungen, gastrointestinale sowie mentale Störungen

Basierend auf einer Umfrage von über 2000 Cannabis-Patienten in Kanada habe ich eine Liste der beliebtesten Sorten für die einzelnen Diagnosen erstellt. Die Patienten waren alle Kunden der Firma Tilray und hatten eine ganz ordentliche Auswahl zwischen zahlreichen Sorten. Die Zahl der Teilnehmer der Umfrage entspricht etwa einem Prozent aller Patienten in Kanada. Von daher dürfte die Auswahl relativ repräsentativ sein. Vermutlich gibt es Faktoren neben der medizinischen Wirksamkeit die die Auswahl der Patienten beeinflusst haben, z.B. Verfügbarkeit, Preis, Erfahrungsstand etc.

Die Daten zu den bevorzugten Sorten wurde in folgende Gruppen eingeteilt, in den Klammern ist die Anzahl der Patient mit der jeweiligen Diagnosen als „primary illness“ angegeben:

  • Chronische Schmerzen (598)
  • Arthritis (188)
  • Mentale Gesundheitsstörung (548) / PTSB (93) = (641)
  • Insomnie/Schlafstörung (198)
  • Gastrointestinale Störung (62) / Morbus Crohn (35) = (97)
  • Gesamtkohorte (2032)

Die TOP 15 der beliebtesten Sorten aller Patienten sind: Continue reading

Rezept für Kostenantrag notwendig?

Zur Frage: „Benötige ich für einen Antrag auf Kostenübernahme einer Therapie mit Cannabis bereits ein Rezept?“ habe ich ein Update:

Kurz Antwort: Im Prinzip nein, aber ist aber im Streitfall schon besser.
Das ist umstritten. Einige Gerichte vertreten die Ansicht dass für einen Kostenantrag eine Verordnung auf Kassenrezept oder zumindest Privatrezept notwendig ist. Der Arzt sollte daher ein Kassenrezept für Cannabis ausstellen. Dieses Rezept dient ausschließlich dazu die Entscheidung des Arztes für eine Verordnung von Cannabis zu Lasten der Kasse zu dokumentieren. Das Rezept ist explizit nicht dafür bestimmt eingelöst werden. Damit ist auch die Gültigkeit des Rezeptes egal.